Shelter 9999
↳ Takahiko Iimura, Alvin Lucier
US 1968, 00:30:00
16mm projection and slide projection, 4-channel sound
Re-staged two times consecutively on
this occasion by Juan David González Monroy,
Martin Moolhuijsen & Julian Ross
Der japanische Experimentalfilmer Takahiko Iimura kam 1966 als Stipendiat des Harvard University International Seminar in Boston in die USA. Dort lernte er den amerikanischen Komponisten Alvin Lucier kennen. Schon bald begannen die beiden am gemeinsamen Projekt Shelter 9999 zu arbeiten. Hierbei handelte es sich um eine Live-Performance mit Mehrfachprojektion, die zwischen 1966 und 1968 an verschiedenen Orten in den USA, aber auch in Japan aufgeführt wurde. Ausgangspunkt des Projekts waren laut Iimura die überraschend häufig im New Yorker Straßenbild anzutreffenden „Shelter“- Schilder, die als alltäglicher Hinweis auf die Gefahren des Kalten Krieges Ausdruck einer zeittypischen Paranoia waren. Vielleicht auch inspiriert durch das Projekt Shelter Plan des japanischen Künstlerkollektivs Hi Red Center aus dem Jahr 1964 schlug Iimura daher vor, diese Ängste zu thematisieren und die daraus resultierende frenetische Energie in die Performance einfließen zu lassen. Alvin Lucier gab hingegen an, das Projekt sei von Fledermäusen inspiriert worden. Die von Collaborative Cataloging Japan zusammengetragenen Anweisungen, Flyer, Kritiken und Dokumentationen bestätigen zwar die Wandelbarkeit von Shelter 9999 (bei jeder Wiederholung änderte sich der Ablauf der Performance), dennoch gibt es eine Reihe von Elementen, die bei allen Aufführungen identisch waren: die zentrale Projektion mit ihren direkt auf dem Filmmaterial (zumeist auf schwarzem Startband) ausgeführten Kratzanimationen und die Loops mit Schleifspuren und den charakteristischen kreisförmigen Blitzen, die Iimura durch direkt in den Filmstreifen gestanzte Löcher erzeugte. Außerdem wurden Farbdias projiziert, auf denen Stadtansichten im Neonlicht, Personen mit bemalten Gesichtern und Straßenschilder zu sehen waren. Der akustische Teil der Performance bestand aus einer Mehrkanal-Soundscape, die in einer zeitgenössischen Rezension der New York Times als „Kratzen, Reißen, Kreischen“ beschrieben wurde.
- Programm Programme: Unburdened Recollections