Das falsche Wort
↳ Katrin Seybold, Melanie Spitta

BRD 1987, 01:24:00
Deutsch, Romenes mit englischen Untertiteln
In Das falsche Wort dokumentieren Katrin Seybold und Melanie Spitta die Verfolgung und Ermordung der Sinti im Nationalsozialismus sowie die Verdrängung und Leugnung dieses Genozids in Nachkriegsdeutschland. Auf Grundlage von zahlreichen Interviews und entgegen allen Behinderungen durchgeführten Recherchen in Polizeiarchiven weisen die beiden Autorinnen nach, was deutsche Gerichte verweigerten zur Kenntnis zu nehmen: Dass die totale Erfassung, Diskriminierung, Ghettoisierung und Vernichtung der „Zigeuner“ – so die Bezeichnung einer rassistisch konstruierten Population, die nicht notwendig deckungsgleich ist mit den kulturellen Identitäten der Sinti und Roma – nicht erst 1943, sondern bereits sehr viel früher einsetzte. Gestützt auf vermeintliche Gutachten von „Expert*innen“, die als NS-Rasseforscher*innen die systematische Verfolgung der Sinti mit vorbereiteten und ermöglichten, wurde den Betroffenen kaum materielle Entschädigung zugestanden. „Die Gerichte glaubten den Tätern, nicht uns, den Opfern,“ so Melanie Spitta, selbst Tochter einer Überlebenden von Auschwitz, im Off des Films. Ihre Stimme der Beweisführung und Anklage ist eindringlich, präzise und unnachgiebig. Ohne die Resignation gegenüber der fehlenden öffentlichen Anerkennung des erlittenen Unrechts zu verschweigen, ist Das falsche Wort ein Zeugnis der Trauer wie des Widerstands gegen das organisierte Vergessen.
- Sektion Section: Feature Films
- Programm Programme: Das falsche Wort