sensational view, tired screams

↳ Sarah Reva Mohr

DE, ES 2025, 00:21:00

3-Kanal-Videoinstallation,
Stahl, Acrylglas, Lehm


Zoos sind Orte der Sehnsucht und Projektion – und zugleich institutionelle Gefüge, in denen Hierarchien hervorgebracht, sichtbar gemacht und stabilisiert werden. In ihrer 3-Kanal-Videoinstallation sensational view, tired screams untersucht Sarah Reva Mohr den Zoo als ambivalenten Raum zwischen vermeintlicher Fürsorge und Machtausübung. Am Beispiel des Zoos von Barcelona wird sichtbar, wie Architektur, Blickführung und institutionelle Narrative die Beziehung zwischen Menschen und Tieren strukturieren.

Im Zentrum der Arbeit steht der Albino-Gorilla Snowflake, der 1966 gefangen und bis zu seinem Tod 2003 im Zoo von Barcelona gehalten wurde. Als seltene Abweichung markiert, wurde das Tier zur Projektionsfläche wissenschaftlicher Neugier, medialer Aufmerksamkeit und touristischer Vermarktung. In seiner Geschichte verdichten sich koloniale Verflechtungen, aber auch Fragen nach der Kategorisierung und ökonomischen Verwertung eines Lebewesens.

Die Installation verbindet mehrere filmische Ebenen, die den Zoo als choreografierten Wahrnehmungsraum erfahrbar machen. Beobachtungen aus der Perspektive der Besucher*innen folgen den Wegen, Sichtachsen und architektonischen Setzungen der Anlage und verweisen auf die Strukturen, die Bewegungen lenken und Rollen verteilen – als Betrachtende und Betrachtete.

Dieser Perspektive wird die Sequenz ghost walk gegenübergestellt: Dieselbe Infrastruktur wird ausgehend von der Figur Snowflakes erneut durchquert. Als „Geist“ seiner selbst bewegt er sich durch die Wege, Gehege und Bildordnungen des Zoos. Oberflächen, Materialien und Barrieren, die gewöhnlich im Hintergrund bleiben, treten dabei in den Vordergrund und verweisen auf ein Leben, das hinter Mauern und Glas organisiert wird.

Erweitert werden diese beiden filmischen Positionen durch die Nachbildung einer der zahlreichen Informationstafeln des Zoos, die das gesamte Videoarchiv der Arbeit zeigt. Beschreibungen der aufgenommenen Szenen erscheinen im Durchlauf und werden von Gedankenfragmenten und Assoziationen unterbrochen. Die nüchternen Zuschreibungen erinnern an eine Sammlungsdatenbank und verweisen auf die Akkumulation von Daten, Wissen und Bildern, die zoologischen Institutionen eingeschrieben ist. In ihrer Verschränkung bilden diese Elemente eine offene Anordnung aus Beobachtungen, Archivmaterial und spekulativen Perspektiven, die unterschiedliche Ebenen von Wahrnehmung, Erinnerung und Infrastruktur zusammenführt.

Sarah Reva Mohr richtet den Blick auf jene oft unscheinbaren Abläufe, durch die Räume organisiert, Verantwortlichkeiten verteilt und Differenzen stabilisiert werden. Der Zoo erscheint so als historisch gewachsenes Gefüge, in dem koloniale Wissensordnungen fortwirken und gesellschaftliche Vorstellungen von Ordnung, Empathie und Kontrolle räumlich manifest werden.

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