Alternatives Denkmal für Deutschland (ADfD)
↳ Alternative Monument collective

DE 2025, 00:20:00
Augmented Reality Installation
Welche Geschichten finden Eingang in den öffentlichen Raum – und welche bleiben unsichtbar? Das Alternative Denkmal für Deutschland (ADfD) setzt genau hier an und fragt danach, wie Migration erinnert und dargestellt wird. In politischen und gesellschaftlichen Diskursen über Migration in Deutschland und in der Europäischen Union erscheint sie häufig als Ausnahme oder Problem. Ihre historischen und sozialen Dimensionen bleiben hingegen nur fragmentarisch im öffentlichen Gedächtnis präsent.
ADfD stellt dem die Sichtweise entgegen, Migration als grundlegenden Bestandteil gesellschaftlicher Geschichte zu verstehen – als Erfahrung von Bewegung, Bruch und fortlaufender Neuzusammensetzung. Zugleich zeigt das Projekt, dass Erinnerung niemals neutral ist: Staatliche Narrative, urbane Architekturen und kulturelle Institutionen bestimmen, welche Geschichten sichtbar werden und welche marginal bleiben.
In Form einer Augmented-Reality-Installation greift ADfD bewusst in diese Ordnung ein und verhandelt die Logik des Monuments neu. Entwickelt in Workshops und Community-Treffen mit Künstler*innen, Aktivist*innen und Menschen unterschiedlichster Hintergründe, beruht ADfD auf kollektiver Autor*innenschaft. Queere, feministische und migrantische Perspektiven bilden den Ausgangspunkt dieser vielstimmigen Struktur, in der unterschiedliche Erfahrungen und Stimmen gleichberechtigt aufeinandertreffen.
Referenzpunkt dieser aktuellen Version des ADfD ist das Ischtar-Tor – Symbol kulturellen Erbes, aber auch von Verschiebung, Aneignung und Entortung. In der digitalen Übertragung erscheint das Tor nicht als geschlossene Rekonstruktion, sondern fragmentiert: Collagen, skulpturale Elemente, Textfragmente und poetische Statements überlagern sich zu einer visuellen Struktur, in der Bilder, Stimmen und Erfahrungen miteinander in Beziehung treten. Klang erweitert diese räumliche Dimension: Interviews, Stimmen und urbane Geräusche verstärken die körperliche Erfahrung. Digitale und physische Räume greifen ineinander und erzeugen eine offene, vielschichtige Konstellation.
Als AR-Installation entfaltet sich ADfD über den Ausstellungsraum hinaus im öffentlichen Raum. Das Denkmal wird nicht errichtet, sondern über die Plattform Monuments AR aktiviert. Sein Erscheinungsbild entsteht situativ und aus den Bewegungen der Besucher*innen; Öffentlichkeit wird hier durch wiederholte Aneignung hergestellt. So wird das Denkmal zu einer vielstimmigen Struktur aus unterschiedlichen Erinnerungen und Perspektiven, ohne sich zu einer festen Form zu schließen. Im Rahmen des Festivals öffnet ein Workshop mit dem Alternative Monument collective das Denkmal als lebendige Plattform für Austausch und Experiment: Gemeinsam mit den Teilnehmenden wird erkundet, wie ein zeitgemäßes Denkmal für Migration im öffentlichen Raum gestaltet werden kann. Indem sich die Arbeit kontinuierlich verändert und neue Stimmen integriert, entzieht sie sich der Logik des abgeschlossenen Denkmals und macht Erinnerung zu einer offenen, kollektiven Praxis.
- Sektion Section: An Incomplete Assembly
- Programm Programme: An Incomplete Assembly