Built to Order I. Dreamstalker, Zornblume, Traumstaub, Falling Down
↳ Bethan Hughes

DE 2026, 00:18:00
Skulptur, Sound und Videoinstallation
Built to Order I – Dreamstalker, Zornblume, Traumstaub, Falling Down untersucht die Spannungen zwischen architektonischer Realität und konstruierten Bildwelten sowie die Mechanismen, durch die urbane Räume lesbar gemacht und Zugehörigkeiten ausgehandelt werden. Ausgangspunkt ist ein wachsendes Archiv medialer Darstellungen der Neuköllner Wohnsiedlung, in der Bethan Hughes seit 2020 lebt. Zwischen gebauter Struktur und den Bildern, die sich über sie legen, entsteht ein Feld von Projektionen. Fantasie, Begehren, Überwachung, Disziplinierung und rassifizierte Gewalt prägen sowohl die Wahrnehmung des Ortes als auch seine soziale Wirklichkeit.
Architektur erscheint dabei nicht als neutraler Hintergrund, sondern als Schauplatz konkurrierender Sichtbarkeitsregime. Die Siedlung ist zugleich materieller Lebensraum und Projektionsfläche gesellschaftlicher Imaginationen. Mediale Bilder versprechen Transparenz und Lesbarkeit, erzeugen jedoch zugleich Distanz, Kontrolle und Zuschreibung. Hughes fragt, welche Formen von Nähe und Entfernung, Offenlegung und Verbergen hier wirksam sind – und wie diese Regime bestimmen, wer sichtbar exponiert wird und wessen Perspektive unsichtbar bleibt.
Als audiovisuelles Schattenspiel verbindet Built to Order I – Dreamstalker, Zornblume, Traumstaub, Falling Down Archivmaterial, Found Footage, Video, räumlichen Klang und neu interpretierte architektonische Elemente. Zwei einander gegenüberstehende Bildschirme zeigen fragmentierte Sequenzen aus Film- und Alltagsaufnahmen, während ein vierkanaliger Soundtrack aus Field Recordings den Raum atmosphärisch verdichtet. Zwischen den Screens steht eine aus Stahl und Glas gefertigte Straßenlaterne, wie sie in der Siedlung installiert ist – sie wird hier zur Figur eines stillen Beobachtens.
Licht, Klang, Skulptur und Bild greifen ineinander und übersetzen abstrakte Machtgefüge in körperliche Erfahrung. Die Installation macht spürbar, wie Räume „programmiert“ werden: wie Vorstellungen von Sicherheit, Gefahr oder Begehren zirkulieren und sich in Architektur einschreiben; wie mediale Erzählungen soziale Wirklichkeiten überformen; wie alltägliche Umgebungen durch diskursive Zuschreibungen aufgeladen werden.
Gleichzeitig unterläuft die Arbeit diese Festschreibungen. Die fragmentierte Montage entzieht sich eindeutiger Lesbarkeit, verschiebt Perspektiven und erzeugt Irritationen. Narrative lösen sich aus ihrer vermeintlichen Geschlossenheit, Bildräume kippen, akustische Ebenen überlagern sich. Es entsteht kein kohärentes Abbild der Siedlung, sondern ein Geflecht aus Spuren, Projektionen und Gegenblicken.
Zwischen Transparenz und Opazität, Realität und Fiktion untersucht Built to Order I – Dreamstalker, Zornblume, Traumstaub, Falling Down, wie Wahrnehmung organisiert wird – und wie sich diese Ordnung verschieben lässt. Die Arbeit macht erfahrbar, dass Stadt nicht nur gebaut, sondern fortwährend erzählt wird. In diesem Erzählen entstehen Zugehörigkeiten ebenso wie Ausschlüsse, Intimität wird ebenso möglich wie Distanz. Hughes legt diese Prozesse frei, ohne sie didaktisch zu fixieren. Sie öffnet damit einen Raum, in dem die gelernte Einordnung urbaner Bilder ins Wanken gerät.
- Sektion Section: An Incomplete Assembly
- Programm Programme: An Incomplete Assembly